Martin Schulz
der bodenständige Würselener Sozialdemokrat
ist Präsident des Europa-Parlaments
Man muss es sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: ein ehemaliger Kommunalpolitiker aus der Kleinstadt Würselen wird in Europa zum Präsidenten des EU-Parlaments gewählt.
Dieses Parlament vertritt 27 europäische Nationen mit 500 Mio. Bürgerinnen und Bürger.
Parlamentspräsident ist jetzt für zweieinhalb Jahre jener Martin Schulz aus Würselen.
Welche Anerkennung und welche Ehre für seine politische Arbeit!
Geradlinig, verständlich die Wahrheit aussprechend, Konflikte nicht scheuend, europäische Frische im Herzen, seine weltpolitischen Ziele und Ambitionen gelten einem Europa, das sich auch künftig in seiner sich wandelnden Welt behaupten kann. Er schafft Vertrauen in die Politik und macht der jungen Generation Mut.
Solche Verdienste gebühren natürlich der Person Martin Schulz. Ein Wenig von diesem Glanz entfällt dabei auch auf den Ort seiner Herkunft, auf seine Heimatstadt Würselen.
Allerdings wird bei aller Euphorie jetzt auch hier und da daran erinnert, dass er der Stadt Würselen als ihr Bürgermeister in den neunziger Jahren ein „Geschenk“ hinterlassen hat, auf das die Stadt in dieser Form gerne verzichten könnte. Unter seiner Leitung wurden die vorhandenen Bäder abgerissen und durch ein so genanntes Spaßbad ersetzt. Dieses Spaßbad wurde gegen großen Widerstand in der Bevölkerung durchgesetzt. Es bescherte der Stadt von Anfang an große finanzielle Probleme. Immer noch erwirtschaftet es seit 1999 in jedem Jahr ein Defizit von etwa einer Million Euro.
Vielleicht hätte die größere Konfliktbereitschaft des Europapolitikers von heute bei den Entscheidungen von damals die Stadt Würselen vor dem finanziellen Unheil bewahrt.